20.01.2026
„Lu und Susi“ – Ein Buch, das sein Publikum nicht ernst nimmt (und damit leider recht hat)
Es gibt Bücher, die wollen gelesen werden.
Und es gibt Bücher, die offensichtlich davon ausgehen, dass man entweder mithält – oder bitte leise scheitert.
„Lu und Susi“ gehört entschieden zur zweiten Kategorie.
Schon früh wird klar, dass dieser Text keinerlei pädagogisches Interesse verfolgt. Er erklärt nichts, ordnet nichts ein und verweigert sich demonstrativ jeder Form von emotionaler Benutzerfreundlichkeit.
Engel erscheinen hier nicht als tröstende Metaphern, sondern als dysfunktionale Verwaltungsakteure.
Dämonen sind keine Allegorien des Bösen, sondern prekäre Figuren mit ästhetischen Fehlentscheidungen.
Und eine Katze übernimmt – ohne viel Aufhebens – die Rolle, an der Philosophie, Theologie und Psychologie seit Jahrhunderten scheitern.
Man könnte das für überambitioniert halten. Man könnte es auch für unverschämt halten. Beides wäre nicht falsch.
Der Text bewegt sich mit auffälliger Nonchalance zwischen metaphysischem Kammerspiel, existenzieller Groteske und einer Form von Humor, die sich nicht entschuldigt. Das Lachen, das sich beim Lesen einstellt, ist selten befreiend. Meistens ist es ertappt. Und genau darin liegt die eigentliche Provokation dieses Buches: Es erlaubt sich, ernst zu sein, ohne Bedeutung zu markieren. Und witzig, ohne sich zu verharmlosen.
Narrativ gesehen verhält sich „Lu und Susi“ ausgesprochen unkooperativ. Figuren entwickeln sich nicht im klassischen Sinn, Konflikte lösen sich nicht „sauber“ auf, und wer hofft, am Ende mit einer klaren Aussage entlassen zu werden, wird feststellen, dass dieses Buch keinerlei Verantwortung für die mentale Ordnung seiner Leserinnen und Leser übernimmt.
Besonders unerquicklich ist, dass all das funktioniert.
Denn so sehr man sich als geübter Kulturmensch auch dagegen sträubt: Der Text hat Haltung. Eine, die nicht erklärt werden will. Eine, die sich nicht anbiedert. Und eine, die ihre Leser offenbar für kompetent genug hält, Unklarheit auszuhalten – ein Anspruch, der heute fast schon als Affront gelten muss.
„Lu und Susi“ ist kein Buch für alle.
Es ist auch kein Buch, das gerne diskutiert werden möchte.
Es ist ein Buch, das still davon ausgeht, dass es nicht verstanden werden muss, um zu wirken.
Und genau das macht es – leider – bemerkenswert.
Lu und Susi ‒ ab 31.03.2026 im Handel